SoKo Steidle

SOKO STEIDLE

Rudi Mahall
Henrik Walsdorff
Jan Roder
Oliver Steidle

*

“Sie spielen zusammen wie die Teufel und swingen wie Motherfucker.”
Alexander von Schlippenbach

*

Soko Steidle – Played Duke Ellington Jazzwerkstatt 153

Wo Ellington draufsteht sollte auch Ellington drin sein. Die vierköpfige Sonderkommission Soko Steidle schrieb diesen elektrisierenden Namen auf das Cover und weckt dadurch natürlich die Aufmerksamkeit des Jazzhörers auf eine andere Interpretation der Musik des Komponisten Duke Ellington. Ein Blick auf die Playlist im Booklet und der Blick auf die Kompositionen zeigt allerdings eine andere Betrachtungsmöglichkeit auf die Musik von Duke Ellington. Oliver Steidle, Rudi Mahall, Jan Roder und Henrik Walsdorff übersetzten die Titel lautmalerisch und mit bemerkenswerten Neubezeichnungen, der kompositorische Inhalt wurde, vorsichtig formuliert, modifiziert – aus „Caravan” wurde „Wohnwagen”, aus „Mood indigo” wurde „Mut Indigo”. Doch was ist mit „Felse mich im Rhythmus” („Rockin’ in rhythm”?) oder mit „Baumwoll Peter Mann”? Faszinierend, wie das Quartett am heiligen Sockel eines Jazzdenkmals kratzt, ohne es in seiner Gesamtheit in Frage zu stellen. Wenn man den Namen Ellington einmal ausblendet, bietet sich das Bild einer Verwandlung, deren durch Franz Kafka negativ besetzte Bedeutung bei Soko Steidle eine neue Form der Interpretation gewährleistet. Nichts ist mehr (Ellington-)Original, aber auch nichts epigonal. Zwischen den Tönen tritt SOKO Steidle der Meinung entgegen, musikalische Variationen auch ohne bewusste Nähe zum eigentlichen Urheber seien zum Scheitern verurteilt.
Klaus Hübner

*

Soko Steidle | ln A Sentimental Mut

Augen auf beim Plattenkauf! Die Vergangenheitsform ist bei “Soko Steidle played Ellington” (Jazzwerkstatt/Records) wichtig, denn natürlich haben Oliver Steidle, Rudi Mahall, Jan Roder und Henrik Walsdorff irgendwann mal Ellington gespielt – auf dieser Platte allerdings nicht. “Wir wollten die Platte so nennen, als ob wir Ellington gespielt hätten”, sagt Schlagzeuger Steidle über den Berliner Vierer, der den Schalk im Nacken hat. Es soll aber durchaus auch eine kleine Spitze in die Richtung der Kollegen sein, die nur noch Interpreten sind. Wir spielen nach wie vor unsere eigene Musik.”

Der schräge Humor zieht sich durch sämtliche Songtitel Von “In A Sentimental Mut” über “Flush Life” oder “Felse mich im Rhythmus” (krude Übersetzung von “Rockin’in Rhythm”) handelt es sich durchweg um Originale der Soko Steidle. “Der Sound der Band definiert sich darüber, dass wir seit ungefähr zehn Jahren genau in der Besetzung spielen”, findet Oliver Steidle. “Dadurch entwickeln sich Dinge, die intuitiv passieren. Mit Jan Roder kann ich den Rhythmus so strecken, dass es sich anhört, als ob wir schneller oder langsamer würden – es bleibt aber nicht auszurechnen, und das ist wichtig.” Roders zerrender Bass und die sich aneinander reibenden Klänge von (Bass-)Klarinettist Mahall und Altist Walsdorff sind die Zutaten dieser Musik. “Es geht darum, aus dem Nichts Strukturen zu erfinden”, meint Steidle. “Wir wollen nicht möglichst präzise und perfekt sein – Empathie, Einfühlungsvermögen und Zuhören können spielen bei uns die Hauptrolle.”
Text Rolf Thomas

 

soko-played-duke-ellington [cover] - soko_steidle-maximale_langeweile[cover] soko - blaulicht[cover] soko - reinkommen