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Oli Steidle & the killing Popes (GB / GER)

Oliver Steidle – dr, compositions
Frank Möbus – guit
Kit Downes – key
Dan Nicholls – key
Phil Donkin – ba

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“Doch es gibt natürlich auch das andere, das etwas stoppeligere Gesicht der Jazzwerkstatt. Im letzten Jahr wurde das fünftägige Festival in der Progr-Turnhalle in diesem Blatt noch für seine Liederlichkeit im Umgang mit der Tradition gerügt. Der Jazz werde hier zum Überbegriff, mit dem man jeglichen Schindluder treiben könne.

Nach der heurigen Jazzwerkstatt darf zwar immer noch munter über das Fassungsvermögen des Jazzbegriffs diskutiert werden, doch wenn Schindludereien dermassen Spass machen, wie jene des wild zusammengewürfelten Kollektivs Killing Popes, dann rücken Definitionsfragen ganz schnell in den Hintergrund.

Wer gedacht hat, nach John Zorns Naked City, nach Mike Pattons Fantomas oder Berns Alboth! könne einen so leicht nichts mehr in Angst und Schrecken versetzen, der hat die Rechnung nicht mit den Killing Popes gemacht.

Das Duo, das unter anderem durch den international gefeierten Berner Stimmgewalttäter Andreas Schaerer verstärkt worden ist (er gewann kürzlich in Deutschland den Echo-Jazz-Preis), berauscht mit einem wilden Gemenge aus Art Rock, Fusion Jazz und Grindcore-Gebelle. Hochkomplex durchkomponiert ist dieser musikalische Wutausbruch, dargebracht unter Aufbietung höchster Instrumentenbeherrschung und erheblicher subversiver Energien.”

Ane Hebeisen / 29.02.2016

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Jazz in Paradise | 33. Südtirol Jazzfestival Alto Adige 2015

“Nun aber zu den Highlights des Festivals, wie zum Beispiel den Killing Popes, die in Schlanders, zwischen Meran und dem Reschenpass gelegen, auf der gleichnamigen Burg spielten. Dieses Konzert war eines der spannendsten im gesamten Festivalplan. Ein Spielort wie aus einem Märchen, eine Band, die gezielt auf die Wurzeln im Hardcore- und Punkrock zurückgreift – und versucht die Energie dieser rauen, aufmüpfigen und explosiven Musik in die komplexe Formensprache des Jazz zu übersetzen und dabei das musikalische Gaspedal voll durchgedrückt, trifft auf ein nicht einzuschätzendes Publikum. Dementsprechend war die Nervosität bei Oliver Steidle (D), Petter Eldh (S), Kalle Kalima (FIN) und Kit Downes (GB) mit den Händen zu greifen. Und genau diese Spannung war es, die dieses Konzert zu einem ganz besonderen machte. Da flogen dem Publikum die Noten in rasender Geschwindigkeit und Präzision nur so um die Ohren. Oliver Steidle trieb pausenlos seine Mitstreiter mit seinem hochfrequentem Schlagzeug-Spiel vor sich her. Nach anfänglicher völliger Verwirrung über den wahnsinnigen Gegensatz zwischen Erwartetem und Präsentiertem obsiegte letztendlich das Unerhörte und das zunächst tapfere und dann begeisterte Publikum war letztendlich völlig aus dem Häuschen.”
Bernd Zimmermann

Das Gaspedal voll durchgedrückt
Szenenwechsel. Die „Killing Popes“! Ein Aufruf zur Beseitigung katholischer Würdenträger? Oder Anklage einer meuchelnden Politik mancher ihrer Vertreter? (Curry)Wurst! Nach einer behutsam begonnenen längeren, frei improvisierten Aufwärmphase drückt das erst 2013 gegründete Ensemble das Gaspedal voll durch und läßt es, von kurzen Erholungsphasen unterbrochen, eben dort.

Das von Drummer Oliver Steidle und dem Bassisten Petter Eldh gegründete Projekt spielt einen beinahe klassischen Avantgarde-Jazz-Hardcore Hybrid, so wie damals vor 20, 25 Jahren Teile der Downtown-Szene New Yorks oder etwa die niederländische Band „X-legged Sally“. Dagegen spricht überhaupt nichts, wenn das Resultat so frisch und mit Verve „in your face“ dargeboten wird. Das Quintett hat sichtlich Spaß an den teils schwer vertrackten Ungetümen, die Soli werden über extra gemeine rhythmische Muster gelegt, damit auch den Begleitmusikern nicht öde wird. Die Unisono Passagen von Saxofon und Gitarre gehen durch Mark und Bein, Andrea Parkins (vor Kurzem erst mit Ches Smith an derselben Stelle zu hören) an Akkordeon und Laptop steuert fiese Electronics bei. Mit dabei sind immer wieder kleine Melodiebögen oder Wendungen, die, oft wiederholt, Halt geben im Getöse. Das erste Stück wird zwar, leicht variiert, am Ende wiederholt und das zweite hören wir verkürzt in der Zugabe wieder. Kein Problem, man hört die Stücke gerne wieder.

Thomas Kuschny / Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft

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Lauschgift mit Suchtcharakter

Assoziativ, mitreißend,emotional: Die Musik der Killing Popes lässt sich nicht einfach so verorten. Sie bewegt sich irgendwo zwischen komplexen Rhythmen, virtuosem Chaos und wunderschöner Melodie.

Gemütlich wie ein Kaffeehaus-Massaker: Die “Killing Popes” machen Avantgarde-Jazz der allerhöchsten Güte – und sind dabei noch unglaublich unterhaltsam Von Gregor Schiegl, Dachau (Süddeutsche Zeitung)

Kammerflimmern. Das Schlagzeug rast, die Gitarre jault, der Bass brummelt wie ein böser alter Mann, die zwei Keyboards keifen in schrillen Dissonanzen. “Kalashnikov Dream” heißt die Nummer, und nicht nur der Titel klingt wie eine Kampfansage: Leute, das, was ihr hier jetzt in der Kultur-Schranne Dachau und zu hören bekommt, wird so gemütlich wie ein Kaffeehaus-Massaker. Amen. Die Killing Popes machen ihren Zuhörer den Einstieg in dieses Konzert wahrlich nicht leicht.

Fast scheint es, als wollten sie das Publikum des Jazz e.V. erst einmal ordentlich abschrecken mit einem eisigen Guss aus dem Free-Jazz-Bottich, damit sie mit dem fidelen Wahnsinn dieses Quintetts danach umso schneller warm wird.
Um es schon mal vorauszuschicken: Die fabelhafte Formation um den ebenso fabelhaften Schlagzeuger Oli Steidle wird dieses eiskalt übergossene Publikum
schnell entflammen. Das liegt einerseits daran, dass sich diese Band aus erstklassigen Musikern zusammensetzt, allen voran Mastermind Oli Steidle, der das virtuose Chaos auf der Bühne sicher und lässig orchestriert. Phil Donkin knallt ab und an eine dicke Funky Note hinein, spielt seinen Bass ansonsten sehr filigran und flott. Kit Dowens und Dan Nicholls sorgen an den zwei Keyboards für das moderne Sounddesign. Erwähnen muss man an dieser Stelle aber auch unbedingt Gitarrist Frank Möbus, der sich auf wenige, aber dafür ausgesucht virtuose Töne beschränkt. Möbus ist in der Szene vor allem durch seine Band Roter Bereich bekannt, die als wichtigster Vertreter des deutschen Avantgarde-Jazz gilt – und als einer der lustigsten. Das trifft auch auf die Killing Popes zu: Sie sind genauso Punk- wie Jazzband, rotzfrech, laut und schräg. Und gleichzeitig sind sie das Gegenteil davon: technisch brillant, sauber getaktet bis ins Hundertstel und selbst, wenn es richtig lärmt und kracht, auf wundersame Weise harmonisch. Aus diesem Spannungsverhältnis ziehen sie ihre Kraft. Mit fein justiertem Chaos. Mit formstrengen Explosionen. Mit Melodien, die sie in den Raum werfen, um sie zielsicher abzuballern wie Tontauben. Sich irgendwo gemütlich einzurichten, in einer Melodie, in einem Groove, das gestatten die Popes nicht. Zack! Ist der Schalter umgelegt, die Harmonie schon wieder vaporisiert. Manchmal kehren die Motive wieder zurück nach einer kurzen geräuschvollen Sendestörung, manchmal werden die Stücke langsamer oder schneller wie bei einer alten Tonkassette, deren Band vom Kassettenrecorder gefressen wird; manchmal hat es den Anschein, als verlöre ein Musiker den Anschluss und käme aus dem Takt und alle anderen mit ihm ins Schleudern, und just in dem Moment, in dem man denkt, jetzt wird es aber brenzlig, löst sich das Kuddelmuddel auf in triumphaler Schönheit.

Auch wenn die Killing Popes ein Gesamtkunstwerk sind, muss man Bandleader Oli Steidle an dieser Stelle noch einmal besonders hervorheben. Er beherrscht die vertrackteste Polyrhythmik auch im Hochgeschwindigkeitstempo, und selbst die komplexesten Rhythmen spielt er so klar und nachvollziehbar, dass auch Jazz-Laien die künstlerische Idee dahinter verstehen und sich daran erfreuen können.

Steidle nutzt Becken, Drums und sonstige Bestandteile seiner Percussion als Klangwerk, dem man schöne und auch interessant scheußliche Töne entlocken kann. Manchmal fühlt man sich ein bisschen an das Frühwerk der Einstürzenden Neubauten erinnert. In einem Stück ohne Titel kratzt er mit dem Stick über das Becken und erzeugt einen entsetzlichen Laut, unwillkürlich denkt man an eine rostige Kellertür, die zufällt. Der Bass grollt wie ferner Donner. Ein monotones Klappern der Sticks – ein Fensterladen, der im aufkommenden Sturm schlägt? Dann Stille. Atemloses Lauschen. War da nicht ein Kratzen, ein Knarren der Bass-Saiten? Geisterhafte Wortfetzen von den Keyboards?

Ist das noch Jazz oder schon ein Horror-Hörstück? Der Sound der Killing Popes ist assoziativ, mitreißend, emotional. Lauschgift mit Suchtcharakter.

Ein Bandleader, der seine Musik als subversives Statement gegen die hohle Gefälligkeit auffasst, ist der Berliner Oliver Steidle – dabei steht hinter allem Freigeist eine maximale Disziplin, die er auch von seinen Mitspielern in der Band „Killing Popes“ einfordert. Akrobatisch, rasend schnell und sich überschlagend sind die Rhythmen, die gegeneinander laufen, sich überkreuzen, zersplittert werden. Klangeruptionen von Elektronik und Gitarren reagieren miteinander, dass es glüht und überkocht. Aber bei den „Killing Popes“ ist jede Note bis ins letzte auskomponiert – dieses offene Geheimnis steht hinter der akrobatischen Präzision dieser Band, die dem JOE-Festival einen grandiosen Abschluss bescherte. Vor allem: Die Päpste, die hier gekillt werden sollen (was eben als freche Attacke auf alle musikalischen Dogmatiker gemeint ist), werden vor allem durch eine Wunderwaffe zur Strecke gebracht – nämlich durch Humor. Beziehungsweise bei diesem Konzert durch ein permanentes Dauerfeuer in Sachen humorvoller Brechung….

Stefan Pieper

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Die Killing Popes gibt es zwar schon ein paar Jahre in unterschiedlichen Besetzungen, doch einem größeren Publikum sind sie bis jetzt nicht bekannt geworden. Das muss sich jetzt ändern. Alleine beim Betrachten der aktuellen Besetzungsliste dieses Quintetts hätte jeder, der die Jazzszene ein bisschen aufmerksamer verfolgt, wissen müssen: Das wird ein Hammerkonzert! Und diese Erwartung wurde bei dem Konzert des Jazzclubs im Jubez noch weit übertroffen. Aber das haben leider wieder einmal nur ein paar Handvoll Besucher mitbekommen.
Der Bandleader und Schlagzeuger Oliver Steidle hatte zu diesem Konzert den Gitarristen Frank Möbus, seinen Kollegen aus der Band Der Rote Bereich mitgebracht. Aus England kamen der Bassist Phil Donkin. Kit Downes und Dan Nicholls standen an den Keyboards. Downes hat mit Obsidian gerade auf ECM ein Soloalbum auf Kirchenorgeln veröffentlicht. Der Gegensatz zu der Musik der Killing Popes hätte größer nicht sein können. Steidle sieht seine Haupteinflüsse bei Hip Hop, Grindcore und Punk.
Aber da er einer von Deutschlands besten Jazz-Drummern ist, hat er natürlich auch in diesem Bereich alles gehört, was in den letzten 50 Jahren Rang und Namen hatte. Und so hörte man aus dieser ungemein komplizierten, druckvollen und schnellen Musik auch eine Art Quintessenz von John Zorn, Frank Zappa, Mahavishnu Orchestra, Soft Machine oder King Crimson heraus.
Wie auf Weather Reports erstem Album I Sing the Body Electric wob das Quintett teils aus freien Improvisationen heraus seine dichten und komplexen Rock-Grooves. Das war auf der einen Seite ungeheuer vertrackt und forderte dem Publikum viel ab, auf der anderen Seite waren die Songs durch griffige Themen dann auch wieder eingängig wie Popsongs. Das führte zu einer Spannung, die einen von Song zu Song, manchmal von Note zu Note, nur so staunen ließ.
Kaum zu glauben, dass Steidle das schräge Zeug ohne Noten meistert. Aber schließlich ist alles auf seinem Mist gewachsen. Aber, egal wie gemein die Musik auch ist, die Kollegen meistern alles, auch vom Blatt, zerpflücken es wie wild und sind auf den Punkt wieder zusammen, wenn es nötig ist. Sie sind eben allesamt killing – mörderisch gut!

Peter Bastian (BNN Zeitung)

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„Kaum eine andere Band, versteht es, durch Komposition und Improvisation derart starke Höreindrücke zu kreieren. „In your face“ dargeboten mit unisono Passagen die durch Mark und Bein gehen und rhythmischer Präsenz die ihresgleichen sucht“

(Thomas Milz / The Wire)

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… das Highlight des Festivals aber, waren zweifelsohne die Killing Popes. Eine Band die mit ihrer Melange aus Jazz, Hi Hop und Hardcore auf ein nicht einzuschätzendes Publikum trifft. Nach anfänglich völliger Verwirrung über den Gegensatz zwischen Erwartetem und Präsentiertem obsiegte am Schluß das Unerhörte und das zunächst tapfere und dann begeisterte Publikum war letztendlich völlig aus dem Häuschen.

(Bernd Zimmermann / NRW Jazz über das Jazzfestival Südtirol/Alto Adige 2015)

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…Doch es gibt natürlich auch das andere, das etwas stoppeligere Gesicht der Jazzwerkstatt Bern. Im letzten Jahr wurde das fünftägige Festival in der Progr -Turnhalle in diesem Blatt noch für seine Liederlichkeit im Umgang mit der Tradition gerügt. Der Jazz werde hier zum Überbegriff, mit dem man jeglichen Schindluder treiben könne.
Nach der heutigen Jazzwerkstatt darf zwar immer noch munter über das Fassungsvermögen des Jazzbegriffs diskutiert werden, doch wenn Schindludereien dermassen Spass machen, wie jene des hochkarätig besetzten Kollektivs Killing Popes, dann rücken Definitionsfragen ganz schnell in den Hintergrund.
Wer gedacht hat, nach John Zorn’s Naked City, nach Mike Pattons Fantomas oder Berns Alboth! könne einen so leicht nichts mehr in Angst und Schrecken versetzten, der hat die Rechnung nicht mit den Killing Popes gemacht.
Das Duo Eldh/Steidle, das neben Frank Möbus und Kit Downes durch den international
gefeierten Berner Stimmengewalttäter Andreas Schaerer verstärkt worden ist, berauscht mit einem wilden Gemenge aus Art Rock, Fusion Jazz und Grindcore Gebelle. Hochkomplex durchkomponiert ist dieser musikalische Wutausbruch, dargebracht unter Aufbietung höchster Instrumentenbeherrschung und erheblich subversiver Energien.

(Der Bund / Bern / Schweiz über das Jazzwerkstatt Bern Festival 2016)

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The Killing Popes are an outstanding example about what is Jazz today ! (Nic Jones / All
about Jazz/New York)