HDRS_Münster

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HDRS

Tristan Honsinger
Axel Dörner
Olaf Rupp
Oli Steidle

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Nicht die Solisten stehen im Vordergrund, sondern die musikalischen Landschaften, die aus dem Nichts entstehen. Sie kreieren Bildbände voller Farben, voll von dadaistischen Widersprüchlichkeiten und Spannungen, sie befördern einen vom Teehaus auf den Mount Everest. Ein musikalischer Bildersturm der die Grenzen des Erlaubten und des Möglichen verschiebt, überschreitet und allen Hörgewohnheiten trotzt.

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HDRS evil fingers (Gligg Records, gligg 117): Olaf Rupp, saarländischer Brückenkopf im Berliner Überhaupt und Sowieso, ließ dort im August 2013 sein gitarristisches R rollen zusammen mit seinem Stretto-Partner Tristan H wie Honsinger am Cello, nicht zum erstem Mal erweitert mit dem D des Trompeters Axel Dörner und zudem mit dem S des Drummers Oliver Steidle. Der seine ‘schlimmen’ Finger ja nicht nur schon bei Der Rote Bereich, Klima Kalima, Rosen Für Alle und Soko Steidle im Spiel hatte, sondern in Die Dicken Finger auch schon zusammen mit Rupp. Zum Auftakt wird ein schrammeliges Etwas gesummt, wie man es eher als Zugabe erwarten würde, ein eingetrübtes Stringding, wie nur von Cellos, das dann aber gegen Ende auf den Trübsinn pfeift, und krawallig auf den Putz haut. Herrlich schräg. Dem folgt, mit Widmung an Männer, die wie Roman Polanski mit dem Schwanz denken, ‘If George Bush would be a lobster’ als wildes Durcheinander von Schwanzgewedel, Fühlergefummel und Gliedergewusel. Ein anarchistischer Spaß mit Gitarren­geflirr, das mir einigermaßen spanisch vorkommt, helldunklem Gefiedel mit vokalem Nachdruck, schmusiger und schmauchiger Trompeterei und alogischem Gerappel, gespickt mit Pseudodéjà-vus aus melodischen und rhythmischen Vertraulichkeiten, die jedoch allesamt nicht weiter vertieft werden. Einer kleinen Denkpause lässt Honsinger ein trompetistisch besprudeltes Lobstergedicht folgen, das einen kollektiven Strudel auslöst, Dörner kiekst und keckert in höchsten Tönen, Steidle verschrottet sein Set. Erst die letzten dieser 23 Min. geben sich wieder lyrisch. ‘Cantar de mio Cid’ beginnt Honsinger mit einem Kriegsruf, Rupp klingt elektrifizierter, Dörner und Steidle treiben den Trupp an, der aber lediglich zu plänkeln beginnt. Truppenführer Honsinger muss seinen Adjutanten fragen, wo eigentlich der Feind steht. Cellistische Unterströmungen kreuzen sich in erregter heißer Luft mit ubuesk aufgekratztem Krawall, ein kaspertheatralisches Verröcheln inklusive Krokodilstränen von Cello und Trompete verlegen den Kriegsschauplatz in die Puppenkiste wo er hingehört. ‘No disc, no fun’ behext mich zuerst wieder mit zwei Cellos, Rupp vertreibt den Doppelgänger, Honsinger und Dörner bringen Schwung ins Spiel, in dem ich kurz auch ein Akkordeon halluziniere. Rupp nimmt seinem Namen wörtlich, Steidle randaliert, Dörner knört. Und plötzlich ist doch alles wieder gut. Alle entspannen sich, das Cello webt den Schlussstrich. Beifall. BEIFALL! [BA 83 rbd]

Evil Fingers
HDRS (Gligg)
by Kurt Gottschalk
The New York City Jazz Record, January 2015

Improvised music generally gets its energy from thetension of different personalities meeting for a commonpurpose. They give and they take, each in his or herown way, but—generally (we hope and assume)—toward some shared, unspoken goal. Compatibility, inother words, is important but commonality, notnecessarily. It’s rare, in fact, to hear a group aslikeminded as cellist Tristan Honsinger, trumpeterAxel Dörner, guitarist Olaf Rupp and percussionist OliSteidle, who each contribute an initial to HDRS.

Honsinger is likely the best-known member of thegroup. A member of the venerable ICP Orchestra, hehad a longstanding relationship with guitarist DerekBailey and has worked with Cecil Taylor, Dutch punkband The Ex and British post-punk band The PopGroup. Dörner, a remarkable and versatile musician,who has worked with the Fred Van Hove’s ‘T Nonet,Globe Unity Orchestra and Otomo Yoshihide’s NewJazz Orchestra, has matched the volume of The Ex andthe considerably lesser volume of Keith Rowe. Lesserknown is acoustic guitarist Olaf Rupp, although theremarkable records he made with Joe Williamson andTony Buck under the name Weird Weapons might bethe strongest precedent for the particular groupthinkat play here. Steidle, who keeps steady pulses andrattles throughout the proceedings, has worked withAki Takase, Alexander von Schlippenbach and PeterBrötzmann, to name only a few.

The band came together in 2013, when this liverecording was laid down, but is playing dates inGermany to support the record this month andwhatever they do on stage, they’ll likely do it as aunited force. On record they play sustained, tonalpassages and, more often, fast flurries of percussiveattack, rarely letting the focus land on any oneinstrument. But if one were to focus one’s attention inany particular direction, it might be toward Rupp.While he’s technician enough to lay down theoccasional, jazzy comping, his big strokes andpointillistic plucking do much to propel the group’smusic. That music is abstract but makes uniform sense.The unaccustomed ear might not enjoy it but (unlikesome free meets) would likely still get that the playersare working together. The part that doesn’t make senseis the spoken non-sequiturs on Roman Polanski andmissing objects. Which is just as well—one wouldn’twant too much sense being made.

For more information, visit gligg-records.com. TristanHonsinger is at Le Poisson Rouge Jan. 9th with ICPOrchestra as part of Winter Jazzfest. See Calendar.